AG Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation, Bochum
Geschichtlicher Überblick

1842 Gründung der Gußstahlfabrik Mayer & Kühne durch Jacob Mayer aus Württemberg und Eduard Kühne aus Magdeburg.

1851 Patentanmeldung für den von Mayer entwickelten Stahlformguß.

1854 Umwandlung in “Aktiengesellschaft Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation”

1874 Einführung Siemens-Martin-Verfahren . In den späten 1880er Jahren Produktion von Geschützen.

01.1926 Gründung der “Vereinigte Stahlwerke AG” (VSt AG) mit sechs weiteren Montanunternehmen.

1934 Neustrukturierung der VSt AG mit Gründung der “Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation AG”. VSt AG als Holding mit Weisungsbefugnis.

1944 Luftangriff auf Bochum mit weitgehender Zerstörung der Produktionsanlagen

1951 Entflechtung der VSt AG und Neugründung der “Bochumer Verein Gußstahlwerk AG”

1958 Erwerb der Mehrheitsbeteiligung durch die Krupp AG, Essen

1965 Fusion mit der “Hütten- und Bergwerke Rheinhausen AG” zur “Fried. Krupp Hüttenwerke AG” mit Sitz in Bochum. Firmierung als FKH-GBV

197x Umfirmierung in “Krupp Stahl AG, Werk Bochum” (KS-WB)

1994 (?) Fusion der Krupp Stahl AG mit Hoesch zur Krupp Hoesch Stahl AG

09.1997 Fusion mit der Thyssen Stahl AG zur Thyssen Krupp Stahl AG (TKS)


Werksgeschichte in Bochum

Zur Zeit seine größten Ausdehnung in der Zeit vor und nach dem zweiten Weltkrieg bestand das Werk aus vier Betriebsteilen:

- Werk Gußstahlfabrik Stammwerk des BV, Hüttenwerk (Hochöfen)
- Werk Höntrop (Werk II) Neugebautes Werk aus den zwanziger Jahren
- Werk Stahlindustrie ehemals “Westfälische Stahlindustrie”
- Werk Weitmar ehemals Rombacher Hütte, später Concordia, Bendorf

Im Bereich des ehemaligen Hüttenwerkes ist noch ein kleiner Rangier- und Abstellbahnhof in Betrieb. Ebenso residiert hier die Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH. Leerstehende Gebäude und Brachflä-chen im ehemaligen Hochofenbereich machen heute einen Großteil des Geländes aus. Des weiteren steht hier die “Jahrhunderthalle”, die heute als Veranstaltungsraum genutzt wird. In diesem Bereich befand sich auch die Zahnstangenstrecke. Durch großzügig angelegte Wanderwege, Freitreppen und Fußgängerbrü-cken wird der nicht mehr industriell genutzte Teil des Geländes seit Anfang des Jahres 2000 erschlossen. Dieser erschlossene Teil wird aber noch von der Werkbahn durchfahren. Der älteste Teil des Werksgeländes ist völlig verwaist. Hier sind noch Spuren des Schmalspurbetriebes und eine Eisenbahnwerkstatt zu finden, in der wohl die Elektroloks gewartet wurden. Das Gelände ist dem Verfall preisgegeben und wird durch den Oberbürgermeister bewacht.

Auf dem Gelände des in den 1920er Jahren als Werk Höntrop neu errichteten Siemens-Martin-Stahlwerkes und Röhrenwalzwerkes konzentriert sich heute der Produktionsbetrieb der Thyssen Krupp Stahl AG. Das ganze Gelände ist schwer einzusehen. An der Verbindungsbahn zwischen dem Werk Höntrop und dem Ügbf. Präsident sind allerdings einige zugängliche Fotostandpunkte zu finden.

Das Werk Stahlindustrie ist zwar heute noch unter diesem Namen bekannt, wird aber von verschiedenen Firmen genutzt. Cirka ein Drittel wird von verschiedenen Bodensanierern zur Lagerung von Erdaushub und Gleisschotter genutzt. Als einzige Betrieb verfügt die BSR-Schotterrecycling über eine eigene Werklok. Ein kleiner Bereich beherbergt den Krupp Weichenbau. Dieser Bereich ist aber weder einzusehen noch zu betreten. Weitere Gebäude sind vermietetet, so auch der Bereich, der auf einem alten Stadtplan als “Deutsche Edelstahlwerke” geführt wird; hier befindet sich heute die Firma “Bochumer Eisenhütte Heintz-mann, Feingußwerk”, die mehrere Standorte in Bochum unterhält.

Kurz nach dem ersten Weltkrieg wurde das Gelände der Concordiahütte - besser bekannt unter dem alten Namen Rombacher Hütte - durch den Bochumer Verein übernommen. Bereits 1921 errichtete man eine Verbindungsbahn zwischen den Werken Gußstahlfabrik, Höntrop und Weitmar. Diese Verbindungsbahn wurde auch direkt elektrifiziert. Bereits Ende der 60er Jahre wurde der Bereich Weitmar vollständig auf-gegeben. Das Gelände wurde durch die Stadt Bochum übernommen und für neue Industrieansiedlungen zur Verfügung gestellt. An die ehemalige Rombacher Hütte erinnern außer dem Namen des Industriegebietes nur noch einige wenige Gebäude, unter anderem ein imponierender Verwaltungsbau.


Werkbahnbetrieb in Bochum

Bereits 1867 erhielt das Stammwerk einen Gleisanschluß zum Bf. Präsident. Der Betrieb mit eigenen Dampfloks wurde allerdings erst 1872 aufgenommen.

Das Werk “Gußstahlfabrik”, das eigentliche Stammwerk, hatte bis 1930 eine 5,5%ige Steilstrecke mit einer rund 300m langen Riggenbach-Zahnradstrecke. Die Maschinenfabrik Esslingen lieferte für diesen Ab-schnitt zwei Lokomotiven. Der Zahnstangenabschnitt wird heute noch befahren; er befindet sich in unmit-telbarer Nähe zur “Jahrhunderthalle”.

Durch die Umstellung auf elektrischen Betrieb zwischen 1924 und 1938 wurden bis auf acht Maschinen die Dampfloks durch E-Loks ersetzt. In diesen Zeitraum fällt auch die Errichtung einer Verbindungsbahn zwischen den einzelnen Werken.

Nach der Konzentration der größten Stahlhersteller und -verarbeiter in den Vereinigten Stahlwerken 1926 kam der Bochumer Verein in den Genuß einer eigenen Bahnverbindung zum Grimberghafen, der 1914 vom Schalker Verein am Rhein-Herne-Kanal errichtet wurde. 1929 konnte die aufwendig kreuzungsfrei trassierte Anschlußbahn, die größtenteils auf einem abschnittsweise sehr hohen Damm verlief, in Betrieb genommen werden. In diese Zeit wird auch die Übernahme der Henschel-D-Kuppler von der Wanne-Bochum-Herner Eisenbahn fallen, da die Hafenanschlußbahn nicht elektrifiziert war. Die Verbindung zum Grimberghafen wurde mit der Stillegung der Hochöfen ca. 1968 überflüssig und teilte dementsprechend bis auf kleines Reststück das Schicksal der Hochöfen - die Stillegung. Die für den Hafenverkehr angeschafften D-Kuppler strichen in braver Solidarität ebenfalls die Segel. Das erwähnte Reststück diente der Schlackenabfuhr. Es endete kurz nach der Überquerung der A 40 in Höhe des Geländes der Stadtwerke Bochum. Aufgrund des Zustandes der heute noch größtenteils vorhandenen Gleisanlagen kann eine Nutzung bis weit in die 1980er Jahre angenommen werden. Nach Stillegung der Hochöfen wurde hier Stahlwerksschlacke abgekippt. Bis Mitte der neunziger Jahre wurde die Trasse der Verbindungsbahn freigehalten.

Mit der Aufgabe des Hochofenbetriebes im Werk Gußstahlfabrik und der Einstellung des Stahlgusses und des Schienenwalzwerkes im Bereich Weitmar im Jahre 1969 entfielen nicht nur eine Reihe von Transport-leistungen. Auch das Schienennetz schrumpfte von einstmals 150 km auf 95 km. Nach der Aufgabe der Hafenanschlußbahn und weiterer Einschnitte betrug es Anfang der 90er Jahre nur noch 46 km.
1944/1945 gab es den höchsten Lokeinsatz beim Bochumer Verein mit 53 Lokomotiven insgesamt. Diese verteilten sich wie folgt:

27 Elektrolokomotiven
2 Diesellokomotiven
8 Dampflokomotiven
und 16 von der DRG geliehene Dampflokomotiven

Dampflok-Bestandsliste ab cirka 1955
Hanomag 8156 1917 B-n2t BVG "68" Foto(s) vorhanden     Verbleib ist unbekannt
Henschel 22280 1943 Minister Stein C-n2t BVG "84" Foto(s) vorhanden     Verbleib ist unbekannt
Henschel 14244 1916 C-n2t BVG "87" Foto(s) vorhanden     Verbleib ist unbekannt
Henschel 14533 1916 Frankfurt D-n2t BVG "88"       Verbleib ist unbekannt
Henschel 14534 1916 Frankfurt D-n2t BVG "89" Foto(s) vorhanden     Verbleib ist unbekannt

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