DDR - Deutsche Demokratische Republik
Nach Kriegsende verblieben etwa 1400 KDL 1 Maschinen in der östlichen Besatzungszone, also deutlich mehr als in allen drei westlichen Zonen zusammen. Dazu kamen noch jene 68 Lokomotiven, welche von den Amerikanern während ihres Rückzugs aus Thüringen und Sachsen-Anhalt "mitgenommen" und nach sowjetischen Protesten im September 1945 an die DR der SBZ zurückgegeben wurden. Der sowjetischen Besatzungsmacht gelang es aber sehr nachdrücklich, diesen beeindruckend großen Bestand innerhalb relativ kurzer Teit zu dezimieren. So fuhr man allein 1946 und 1947 über 500 Maschinen Richtung Osten ab, zeitweise weitere gut 500 bis 600 Loks wurden dem freien Verkehr der DDR durch die Transportkolonnen für sowjetische Reparationszüge und Besatzungsverkehre entzogen, die DR der SBZ fand also deutliche schlechtere Startbedingungen vor als die Eisenbahnen in den westlichen Besatzungszonen. Am 1. August 1954 konnte die DR 505 Loks der BR 52 ausweisen, von denen aber nur 324 betriebsfähig waren.

Die 23 bei der DR verbliebenen Kondenslokomotiven wurden in Cottbus zusammengezogen und bis auf die Kriegsschadloks 52 1884 und 52 1901 zwischen 1949 und 1960 nach und nach in die Normalausführung umgebaut.

Zwischen 1953 und 1958 rüstete die DR 25 KDL 1 mit einer Kohlenstaubfeuerung System Wendler aus. Alle Maschinen waren in Senftenberg im mitteldeutschen Braunkohlerevier beheimat und erhielten zum 1. Juni 1970 neue Computernummern, bei denen die erste Ordnungsnummer durch eine 9 ersetzt, bzw. der dreistelligen Ordnungsnummer eine 9 vorgestellt wurde. 52 653 erhielt die neue Nummer 52 9653-8, aus 52 3285 wurde 52 9285-9 usw., die Baureihe 52.90 war geboren. Mitte der 1970er Jahre begannen die Ausmusterungen, 1979 verschwanden die letzten Kohlenstaubmaschinen aus dem Bestand.

Um die Verfügbarkbeit des Fahrzeugparks zu steigern, führte man Mitte/Ende der 1950er Jahre das Generalreparatur-Programm (GR) ein. Hierbei wurden teilweise schon seit etlichen Jahren abgestellte und/oder als Ersatzteilspender genutzte Maschinen wieder auf Vordermann gebracht. Für die meisten 52er bedeutete die Aufnahme ins GR-Programm den Ersatz des verschlissenen Stehkessels durch eine neue Schweißkonstruktion, die Ausrüstung mit einem Mischvorwärmer der Bauart IfS/DR samt verlängerter Rauchkammer sowie den Einbau von Achslagerstellkeilen. 300 Maschinen waren für solch einen Umbau vorgesehen, es blieb aber bei 70 Stück.

Nur 70 GR Maschinen? Genau, denn ab 1960 fielen die Umbauten bei der Baureihe 52 noch einmal erheblich umfangreicher aus als zuvor. Sie "stolperte" mehr oder weniger ungeplant in das Rekonstruktionsprogramm der DR hinein und das, obwohl bereits 1956 (!) die Entscheidung gegen eine Rekonstruktion von KDL 1 Maschinen gefallen war. Wegen der St 47 K Problematik etlicher 50er Kessel wurde zu diesem Zeitpunkt einer Rekonstruktion der Baureihe 50 nämlich uneingeschränkt Vorrang gegeben. Während bei der Deutschen Reichsbahn die Rekonstruktion -hinter dem Begriff verbirgt sich eine umfangreiche Großteileerneuerung zur Erhöhung von Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Maschinen, die Beseitigung von Konstruktionsfehlern der Ursprungsversion sowie eine Anpassung an die Brennstoffsituation in der DDR- bei allen anderen betroffenen Baureihen sorgfältig vorbereitet wurde, wich man bei der 52er von diesem Vorgehen ab. Nachdem Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des GR-Programms bei der 52er aufkamen (es wurde ja nur der Steh- und nicht der gesamte Kessel erneuert), ließ das Raw Stendal die Kosten einer Rekonstruktion durchkalkulieren und kam zu dem Ergebnis, dass eine Rekonstruktion der KDL 1 aus volkswirtschaftlicher Sicht insgesamt günstiger sei. Dieser Kalkulation nach entsprach der Preis für Bau und Einbau eines neuen Stehkessels mit 70.000 bis 75.000 Mark ungefähr dem eines neuen, kompletten Verbrennungskammerkessels ohne Einbau mit etwa 72.000 Mark. Da das Raw Stendal noch Zugriff auf 30 sogenannte "Überhangkessel" des Typs 50E hatte welche man für die Rekonstruktion der Baureihe 50 nicht mehr benötigte, wurden diese Kessel kurzerhand und ohne große Vorplanung in Maschinen der BR 52 eingebaut. Es entstand quasi aus dem Nichts heraus die neue Baureihe 52.80, im Dampflokarchiv an dieser Stelle gesondert abgehandelt.

Zu- und Abgänge hielten sich über Jahre hinweg ungefähr die Waage, der Bestand blieb mit etwa 800 Maschinen konstant. Am 23. Mai 1956 verkaufte man 20 Maschinen an Bulgarien, 1959 wurden weitere 10 Loks an Bulgarien vermietet, welche dann am 1. Juli 1961 fest in den Bestand der BDŽ übergingen. Im Gegenzug kaufte man zum Jahresbeginn 1962 60 Maschinen in der Sowjetunion. Im Gegensatz zu den 52.80ern, welche sich in nennenswerter Stückzahl bis Anfang der 1990er Jahre im Bestand halten konnten, wurden die Altbau 52er immer entbehrlicher. So sank deren Bestand von 492 Stück im Jahr 1971 über 102 Stück im Jahr 1978 auf 33 Maschinen im Jahr 1981.

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