Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten »Hermann Göring«, Watenstedt-Drütte
Am 15.07.1937 wurde die „Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten Hermann Göring“ mit Sitz in Berlin gegründet. Ziel war der Abbau der in Deutschland lagernden eisenarmen Erze und deren Verhüttung. Die Eintragung in das Handelsregister in Berlin erfolgte am 29.07.1937.Seit 1919 waren stark kieselsäurehaltige Eisenerzvorkommen im Raum Salzgitter bekannt. 1934 wurde in Clausthal-Zellerfeld ein Hochofen-Verfahren entwickelt, mit dem es möglich war, das saure Eisenerz zu Thomaseisen zu schmelzen.
Im Rahmen des Vierjahresplans zur Kriegsvorbereitung beschloss die Reichsregierung, im Raum Salzgitter ein integriertes Hüttenwerk mit 32 Hochöfen zu bauen. Der Bau entzog der deutschen Aufrüstung riesige Mengen an Stahl und Arbeitskräften. Er verschlang mehr Stahl, als dort überhaupt bis Kriegsende erzeugt wurde. Bis 1945 konnte nur ungefähr die Hälfte der ursprünglichen Planungen umgesetzt werden. So wurden zum Beispiel nur 16 Hochöfen fertiggestellt.
Als kompletter Neubau konnte das Werk nach modernsten Gesichtspunkten geplant und gebaut werden. Das schlug sich auch in der Logistik nieder: Alle Bahntransporte erfolgten ausschließlich auf Normalspur. Ebenso gab es keine niveaugleichen Kreuzungen zwischen Bahn und Straßen. Ebenfalls modern stellte sich der umfangreiche Fuhrpark da, der in der Zeit zwischen 1938 und 1944 beschafft wurde: Die meisten Lokomotiven waren in Heißdampf ausgeführt; viele Fahrzeuge waren auch mit Mittelpufferkupplung und der Möglichkeit, die Entladung der Erz-Ganzzüge - ebenfalls aus neu beschafften Fahrzeugen - von der Lok aus zu steuern, ausgerüstet.
1 - 27
Krupp lieferte zwischen 1939 und 1942 insgesamt 27 Lokomotiven in diese für Werkbahnen doch außergewöhnlichen Achskonfiguration. Die Maschinen konnten auch mit Mittelpufferkupplungen ausgestattet werden.
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51 - 58
Jung liefert 1938 eine Serie von 8 modernsten Heißdampflokomotiven, die mit Scharfenbergkupplung und Druckluftausrüstung für die Öffnung der Ladeklappen von Erzwagen von der Lokomotive aus.
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59 - 66
Die Reichswerke bestellten am 15.01.1938 bei Krauss-Maffei in München C-Kuppler. Noch vor Auslieferung wurden die ersten beiden Maschinen (59 und 60) umdisponiert zum Standort Linz (Österreich). Die anderen 6 Lokomotiven wurden zwar nach (Salzgitter-)Drüte geliefert; der größte Teil wanderte aber nach kurzer Zeit zur Hütte Linz nach Österreich ab.
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67 - 76
Unter den Betriebsnummern 67 bis 76 werden dreiachsige Lokomotiven von Henschel geführt. Die erste war vom Typ Preußen; die restlichen Maschinen sollen vom Typ Bismarck gewesen sein. Nach anderen Angaben waren es allerdings abgewandelte Konstruktionen auf Basis der Preußen, die deutlich schwerer war als die Bismarck und damit für den Stahlwerksdienst besser geeignet.Einige Quellen geben um 2 höhere Betriebsnummern an (67 -> 69). Diese würden sich aber mit den anderen bekannten Betriebsnummernkreisen überschneiden.
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77 - 86
Durch die Kriegsereignisse kommt es bei dieser Lieferserie zu ganz besonderen Verwerfungen: Ursprünglich waren bei Krupp 30 Lokomotiven eines neuen Typs einer schweren Heißdampf-Rangierlok bestellt worden. Bisher war die 650 PS leistende Lokomotive noch nicht gebaut worden.Krupp beauftragte die Lokomotivfabrik Jung mit der Fertigung. 10 Lokomotiven konnten dort fertiggestellt werden; 20 Lokomotiven sollten bei der SLM in der Schweiz (!) montiert werden (siehe 99 - (118)).
Die Konstruktion wurde von Krupp ab 1952 unter dem Namen Gladbeck vermarktet.
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(87 - 98)
Aus diesem Nummernkreis sind bisher keine Fahrzeuge bekannt; allerdings wurden durch die Reichswerke bei Krupp 12 D-Kuppler mit einem Dienstgewicht von 80 t bestellt. Das passt auffällig in diese Betriebsnummernlücke.Krupp beauftragte den niederländischen Hersteller Spoorijzer mit dem Bau der Lokomotiven. Kurz vor der Befreiung der Niederlande ging noch ein Lokzug in Richtung Salzgitter ab. Die Loks wurden aber nicht mehr in Dienst gestellt.
Im Jahr 1948 konnte Krupp eine erste Bauserie der dann "Bergbau" genannten Lokomotiven ausliefern. Dabei soll es sich um die ehemaligen Reichswerke-Lokomotiven gehandelt haben.
99 - (118)
Wie beim Nummernkreis 77 - 86 schon geschrieben, wurden von den 30 an Krupp beauftragten und an die Lokomotivfabrik Jung verlagerten Lokomotiven nur 10 Stück bei Jung fertiggestellt. 20 Lokomotiven wurden von Jung an die SLM in der Schweiz (!) weiterverlagert. In einem Betriebsbuch aus dieser Serie ist notiert: "Hersteller: Arn. Jung Lokomotivfabrik GmbH, Jungenthal b. Kirchen/Sieg. Bauausführung durch die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik in Winterthur".Von den zwanzig Fahrzeugen wurde nur ein Teil bis Ende des Krieges fertiggestellt werden. Tatsächlich wurden wohl aber Betriebsnummern für alle Fahrzeuge vergeben.
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151 - 154
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155 - 160
Die WLF aus dem österreichischen Floridsdorf lieferte 6 Dampfspeicherlokomotiven an die Reichswerke. Die letzten beiden Maschinen sollen angeblich nach Linz gegangen sein; allerdings sind sie dort nicht nachzuweisen. Eine Vermietung einer der beiden Maschinen im Jahr 1950 an die DEURAG-Raffinerie in Misburg (bei Hannover) verstärkt den Eindruck, dass auch die beiden letzten Maschinen nach (Salzgitter-)Drüte gegangen sind.Die Hälfte der Maschinen ging um 1950 von den in der britischen Besatzungszone liegenden Reichswerke an Industriebetriebe in der sowjetisch besetzten Zone - ein eher ungewöhnlicher Vorgang.
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Geschichte & Hintergründe

